ADHS bei Frauen – Warum Frauen und Mädchen immer noch unterdiagnostiziert sind.

12. Mai 2021

von Kathryn

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So sieht eine Frau mit ADHS am Schreibtisch aus.

ADHS bei Frauen geht oft mit diesen Erfahrungen einher:

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • ständige Gefühle der Überforderung
  • Scham
  • Ängste, Depressionen oder depressive Verstimmungen
  • und somatische Beschwerden wie Migräne, Kopf- oder Bauchschmerzen oder Schwindel

Wieso ist das so? Und warum ist ADHS bei Frauen und Mädchen immer noch unterdiagnostiziert?

Als eine Therapeutin vermutete, ich könnte ADHS haben dachte ich „Ach echt?“ – Und hab das gleich wieder vergessen. Ich hatte auch gar keine Zeit, mich darum zu kümmern! Ich musste ja erstmal ordentlich werden und meine psychischen Probleme lösen, die Schuld daran waren, dass ich so unordentlich und desorganisiert bin und ständig alles aufschiebe.

Für mich war ADHS damals, und da war ich schon erwachsen und Mitte 30, ein Problem von Kindern. Und eigentlich sind ja sowieso die Eltern schuld.

Erst als ich da mal genauer hingeguckt habe, ein bisschen recherchiert hab, hab ich gedacht „Ups, das gibt es bei Erwachsenen! Und huch, bei Frauen ist es anders.“

 

Jahrelang hab ich geglaubt: Mit mir ist was verkehrt.

„Ich muss ja große Probleme haben, wenn mir das alles nicht gelingt. Wenn ich so unordentlich bin, so unter Strom steh. Aufbrausend in Beziehungsdiskussionen, gestresst von zu viel äußerer Struktur. Desorganisiert. Vergesslich… “ All diese Dinge. Und es war ein scheiß Gefühl zu denken, dass das psychische Gründe hat, sich aber nie etwas an diesen Schwierigkeiten verändert hat.

Natürlich kann es auch psychische Gründe haben oder ich kann auch ein Trauma haben und ADHS, logisch. Und ein Leben mit unentdecktem ADHS bringt eigene psychische Themen mit sich.

 

Ich bin nicht schuld.

Aber als mir klar war, dass ich nicht so bin wie ich bin, weil ich meine Probleme nicht gut angeh, weil ich da irgendetwas tief verborgen in mir herumtrage, sondern weil mein Gehirn anders verdrahtet ist- da erklärte sich so vieles und wurde plötzlich lösbar oder akzeptierbar.

 

Wer sind Frauen mit ADHS und ADS?

Sie sind in der Mehrzahl eher vom unaufmerksamen Subtyp und zeigen internalisierte Symptome. Das heißt, sie fallen nicht so auf, machen seltener Probleme, werden oft nicht als ADHS erkannt. Stattdessen kämpfen sie im Stillen und deuten ihre Schwierigkeiten als Charakterschwäche, die sie ja wohl haben müssen, wenn sie so chaotisch, emotional oder schnell überfordert sind.

Ihre emotionalen Probleme werden immer noch oft als Ängste oder Stimmungstörungen wie Depressionen fehlinterpretiert und -diagnostiziert. Die zugrunde liegende ADHS  meist nicht erkannt.

Schon Mädchen bemühen sich mehr als Jungs nicht aufzufallen und kompensieren z.B. durch Mehrarbeit ihre Schwierigkeiten. Im Erwachsenenalter führen sie das fort (ein anstrengender, häufig hemmender Perfektionismus ist geboren….

In vielen Fällen bringen erst wegfallende äußere Strukturen durch Schule oder Elternhaus, gestiegene Anforderungen (Uni, Job, Familie, Haushaltsführung) oder große Veränderungen im Hormonhaushalt (Pubertät, Schwangerschaft, Menopause) das Kartenhaus zum Einfallen.

Kombiniert mit der in der Gesellschaft immer noch gemeinläufigen Ansicht, dass nur Jungs ADHS haben können, ist es also kein Wunder, dass Mädchen und Frauen da oft noch übersehen werden.

 

 

So zeigt sich ADHS bei Frauen häufig:

Kathryn, Frauen mit ADHS überfordert

  • Schwierigkeiten, Dinge im Alltag zu
  • organisieren
  • Flüchtigkeitsfehler, Konzentrationsprobleme und Ablenkbarkeit
  • Schwierigkeiten in Gesprächen oder bei Aufgaben aufmerksam zu bleiben
  • Vergesslichkeit bei alltäglichen Dingen
  • Schwierigkeiten, Aufgaben zu beenden
  • Motivationsprobleme
  • Schwierigkeiten Emotionen zu regulieren (aber auch Begeisterungsfähigkeit)
  • Starke Reaktion vor/bei wahrgenommener Ablehnung
  • lineare Planungsfähigkeiten in vielen Situationen herabsetzt (aber auch hohe Kreativität durch nicht-lineares Denken)

 

 

 

Was macht die Erfahrung von Frauen mit ADHS denn so anders?

 

– Geschlechterrollen und Hormone

Geschlechterrollen sind immer noch präsent und prägen schon Mädchen sehr. 
Mädchen und Frauen sind demnach immer noch die Ordentlichen, die sich „natürlicherweise“ kümmern, andere umsorgen und als Erwachsene neben der Arbeit oft auch die Hauptworkload in Haushalt und Familie stemmen. Oder zumindest in der Lage dazu sein sollten. Am besten noch mit Freude!

Sie sind oft auch diejenigen, die den sozialen Kit bilden mit Einladungen, die an Geschenke und Geburtstage denken und bei den Events der Kinder mal eben mit nebenbei gebackenen Kuchen und Dinkelkeksen aufwarten. Das ist ein Klischee und in meiner Welt trotzdem noch wahr.
Vielen Frauen macht das ja auch Spaß.

 

ADHS Frauen leiden besonders unter diesen Rollenbildern.

Weil sie sie ebenso internalisiert haben, schämen sie sich und halten sich für kaputt, wenn sie nicht den super organisierten Haushalt, die ordentliche Wohnung und das selbstgemachte Mitbringsel für die Grillparty präsentieren können.

Als Reaktion ziehen sie sich zurück oder sie schämen sich für ihre gekaufte Kekspackung. Sie laden niemanden mehr ein, weil die Wohnung unordentlich oder das Gastgeben zu überfordernd ist.

Oder sie geben mehr Kraft und Energie als gesund ist da hinein, um so zu sein wie diejenigen, die scheinbar alles im Griff haben – um normal und kompetent zu erscheinen.

Durch die ständige Überforderung fällt es ihnen häufig schwer Freundschaften zu pflegen. Die Angst vor Ablehnung macht, das sich nicht trauen neue Freundschaften zu initiieren. Oder sie wissen, sie können die Freundschaft eh nicht aufrechterhalten und lassen es deshalb gleich sein.

 Geräuschempfindlichkeit bei Frauen mit ADHS

Viele Frauen mit ADHS reagieren zudem stark auf Sinneseindrücke wie Lärm, Licht oder Gerüche.

 

Sie können von ihren lebhaften Kindern, in Bars oder auf Parties schnell überfordert sein. Bei letzteren kommt hinzu, dass
vielen von ihnen das Smalltalk-Gen fehlt. All das kann zu Rückzug oder Selbstmedikation (Alkohol, Cannabis, u.a. Drogen) führen – je nach Persönlichkeit und Grund für die unangenehme Befindlichkeit.

Frauen, die zu Impulsivität neigen, kennen es, dass sie häufig als zu bestimmend oder zu „viel“ wahrgenommen werden. Das kann zu Schwierigkeiten im sozialen Miteinander oder in Partnerschaften führen. Eine hohe Emotionalität wird in ihrer sonnigen Ausprägung als unterhaltsam erlebt. In ihren Schattenseiten ebenso als „zu viel“ und die Frauen stehen mit ihren stärken Gefühlen allein da. Nicht wissend, dass die Gefühle meistens normal sind. Die Regulation ist es, die sie noch nicht beherrschen.

Hormone bei Frauen mit ADHS

Verkompliziert wird ADHS/ADS bei Frauen durch die monatlichen und lebenslangen Hormonveränderungen im Körper. Sinkt der Östrogenwert, steigt das ADHS – könnte man sagen.

ADHS bei Frauen ist also alles andere als eine Angelegenheit konsistenter Symptome. Auch daher oft übersehen oder falsch gedeutet. Zudem wirken eventuelle ADHS-Medikamente auch unterschiedlich gut – je nach aktuellem Hormonhaushalt der Person.

Das passiert das erste Mal mit der Pubertät. Ab da monatlich im Zyklus. Dann mit eventuellen Schwangerschaften und noch einmal ganz stark vor und während der Menopause.

 

 

 

 

 

 

Lernen du selbst zu sein.

Ein ganz großer Teil des Prozesses für den Umgang mit ADHS bei Frauen ist die Akzeptanz, und das Loslassen ihrer Erwartungen an sich selbst.

Damit sie endlich ihre eigene Version ihrer Selbst werden kann, die ohne sich zu entschuldigen ihre Fähigkeiten, Stärken und Interessen lebt. Die laut ist oder eher zurückgezogen. Die sich von unnötigem Ballast befreit, auf ihren Körper und ihren Energiehaushalt hört. Dann kann sie ihre Welt für sich passend machen, Schritt für Schritt – statt wie früher an sich zu zerren um passend zu werden. Das war ja auch viel zu anstrengend und hat auch gar keinen Erfolg gebracht.

 

Sich auf den Weg machen, Vernetzen & stärken

– Und wenn du dich mit anderen Frauen austauschen willst, dann komm in meine Facebookgruppe „ Netzwerk Frauen* mit ADHS“ – offen für alle Personen unter dem Einfluss weiblicher Hormone und/oder die weiblich sozialisiert sind. Als Alternative zu Facebook gibt jetzt auch eine Gruppe beim Messenger Signal!

 

In meinem ADHS Life Coaching kannst du beginnen, Überforderung und Chaos hinter dir zu lassen, in dem du lernst wie du dich sortierst und organisierst, wie du deine Gefühle besser regulieren kannst oder deine Beziehungen verbessert. Von passiv zu proaktiv! Du bist eine fähige Person!!! 💪

 

 

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